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Nagapattinam e.V.  
  
 
 
 
 


REISEN NACH INDIEN
REISEBERICHTE

von Dr. med. Volkard Lechner
2008 eine Reise zum Tsunami Rehabilitationswerk Nagapattinam

Es ist bereits Abend, die Sonne ist an diesem Junitag 2008 vor 2 h untergegangen. Langsam sinkt die Temperatur von 30 auf 25°. Durch enge, oft überfüllte Straßen, die häufig von Ochsenkarren versperrt sind, haben wir uns die letzten Kilometer, von Chennai kommen über Pondicherry nach „Nagapattinam“ durchgeschlagen. Wir sind eine kleine Gruppe von 6 Jugendlichen und 2 Erwachsenen, Prof. Stachowske und mir. Die Jugendlichen sind zum großen Teil zum 1. Mal in Indien und überwältigt von der Fülle der neuen Eindrücke. Wir sitzen in einem kleinen Bus auf dem Weg zum Tsunami Rehabilitationswerk Nagapattinam.

 maedchengruppe vor dmi

Dieses Rehabilitationsprojekt wird von katholischen Schwestern des indischen Ordens DMI geleitet. Es wird im Wesentlichen durch Spenden, die Professor Stachowske in Deutschland zusammengetragen hat, finanziert. In diesem Projekt werden Tsunami-Waisen und Halbwaisen versorgt als Opfer der Tsunami-Katstrophe im Dezember 2004. In Deutschland sind viele Patenschaften für Kinder übernommen worden, die bei dem Tsunami beide Eltern oder Elternteile verloren haben. Viele der Kinder waren unmittelbar nach der Tsunami-Katastrophe auch davon bedroht, verkauft zu werden. Sie befanden sich in einer völlig rechtlosen Position. Dr. Stachowske hat in Deutschland einen Verein zur Rehabilitation von Waisenkindern in Südindien gegründet. Er hat viele Menschen für die Unterstützung dieses Projektes gewonnen. So sind Patenschaften und finanzielle Unterstützungen für über 80 Kinder möglich geworden. Für diese Kinder, die in diesem Projekt wohnen, bedeutet dies, auch als Waisen oder Halbwaisen eine Ausbildung zu bekommen – und damit eine Zukunft zu haben. Was es für ein indisches Kind bedeutet, ohne Eltern aufzuwachsen, können wir uns hier in Europa kaum vorstellen. Das soziale System, das in Deutschland für Kinder sorgt, wird in Indien vielfach von der Familie geleistet.

Professor Stachowske hat eine enge Partnerschaft zu dem katholischen Orden aufgebaut. Professor Stachowske und wir alle wurden bei unserer Ankunft kurz nach Mitternacht in Chennai mit ungemeiner Herzlichkeit und großem Respekt behandelt und begrüßt.

Als wir gegen etwa 22:00 Uhr in dem Projekt in Nagapattinam eintrafen, standen alle Kinder bereit, um uns zu begrüßen. Da wir uns aufgrund des Verkehrs verspätet hatten, warteten die Kinder schon 3-4 h. Mich hat diese Begrüßung, die von Herzlichkeit eigentlich kaum noch zu überbieten war, tief berührt. Es war eine Welle von Liebe und Verbundenheit über die Kulturen hinweg zu spüren.

Traditioneller Tanz im DMI-Waisenhaus Nagapattinam

Nachdem wir aus unserem Kleinbus ausgestiegen waren, haben uns die Kinder umringt. Schon in diesem ersten Moment wurde deutlich, wie wichtig für diese Kinder die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen ist und insbesondere von Menschen aus Europa. Die allermeisten und einige der scheuen und traumatisierten Kinder haben versucht, intensiv Kontakt mit uns aufzunehmen. Wir hatten für die Kinder in der Zeit, in der wir dort waren, eine wichtige Funktion. Für die Kinder bedeutet es etwas ganz Großes, dass Menschen aus dem Westen ihnen so viel Bedeutung geben, dass sie diese lange Reise auf sich nehmen, um sie in Südindien zu besuchen. Soweit ich es verstehen konnte, hat unser Besuch für sie auch bedeutet, nicht übersehen zu werden. Die Herzlichkeit, mit der uns die Kiner begleitet haben, war ein Geschenk von einer Größe und Intensität, die mich und alle anderen emotional tief berührt hat.
Dabei war offensichtlich – jedenfalls für mich als Psychotherapeut – wie viele dieser Kinder durch den Verlust ihrer Eltern schwer traumatisiert sind. In unbeobachteten Momenten schlich sich häufig eine tiefe Traurigkeit in den Gesichtsausdruck der Kinder, der dann auch schnell wieder verschwunden ist. Professor Stachowske hatte einen ganzen Koffer von Geschenken mitgebracht und bei einer anrührenden Feier, in der die Kinder viel von dem, was sie in der Schule gelernt hatten, zeigen konnten, wurden diese Geschenke verteilt.
Aus der Beschäftigung mit Traumatisierungen habe ich mich in den letzten Jahren vor allem bemüht, die Technik des EFT – einer speziellen, sehr effektiven Traumatherapie – zu erlernen und anzuwenden. Aufgrund der ungemein positiven Erfahrungen in der EFT-Technik in der täglichen psychotherapeutischen Arbeit in Deutschland war es mein Anliegen, dieses Wissen an Menschen weiterzugeben, die mit schwer traumatisierten Kindern zu tun haben. Gemeinsam mit Herrn Stachowske haben wir in Abstimmung mit der Leitung des Tsunami Rehabilitationswerk Nagapattinam Seminartermine angeboten. In einem mehrstündigen Seminar wurden zunächst die Schwestern, die die durch den Tsunami traumatisierten Kinder betreuen, im Umgang mit EFT informiert. Dieses Seminar hatte eine so positive Resonanz, dass wir gebeten wurden, ein weiteres Seminar für etwa 60 Frauen anzubieten. Diese Frauen sind in einem großen Umkreis von Nagapattinam in der Organisation von Selbsthilfegruppen und vielen Selbsthilfeprojekten tätig. Es war eine Gruppe von 60 Frauen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit immer wieder mit schwer traumatisierten Menschen zu tun haben. Es entstand zunächst natürlich die Frage, ob es gelingt, eine solche therapeutische Technik an diese Gruppe von Leiterinnen von Selbsthilfegruppen weiterzugeben. Wir haben uns nach einigem Bedenken entschlossen, dieses Seminar zur Information über die Methode anzubieten, dies verbunden mit der Planung weiterer Folgeseminare zur Vertiefung. Das Seminar wurde ein voller Erfolg.

Ich hatte auf dieser Reise die Möglichkeit, Professor Stachowske in seinem Wirken und in seinem Anliegen durch viele Gespräche näher kennen zu lernen. Ein Grundmotiv seines Handelns wurde für mich erkennbar: Kinder zu unterstützen und sie zu schützen. Wie ein roter Faden zieht sich diese Schutzfunktion durch seine Tätigkeit. Dieser Schutzfunktion und den damit verbundenen Tätigkeiten opfert er große Teile seiner Freizeit. Auch das im Februar dieses Jahres in Lüneburg veranstaltete Seminar ganz speziell dem Schutz ungeborenen Lebens (im Kontext von Drogenabhängigkeit). Diese Schutzfunktion ist ihm um vieles wichtiger als private Interessen.

Tempel

Zum Abschluss der Reise habe ich noch einige heilige Stätten in Südindien aufgesucht und bin so tief eingetaucht in indisches Leben und indische Tempel. Nebenbei habe ich noch eine ganze Reihe von Lektionen im Handeln bekommen. Dieses wird Teil eines Buches: „Effektive Strategien des Handelns in asiatischen Basaren“ werden.

Für Menschen, die dieses Projekt in Nagapattinam unterstützen wollen, bitte ich um Mitteilung an ruthard@stachowske.de

Die Unterstützung dieses Projektes gibt Menschen in unserem Kulturkreis eine Möglichkeit, von unserem Überfluss etwas abzugeben und einem Kind in Indien, das die Eltern verloren hat, eine Zukunft zu geben.

Dr. med. Volkhard Lechner

WIE ERREICHEN SIE UNS

Tsunami Rehabilitation Work
Nagapattinam e. V.
Prof. Dr. Ruthard Stachowske
Schlesienstr. 2
21391 Reppenstedt

Tel.: 04131 / 63200, Fax: 04131 / 671145, Mobil: 0171 / 8143808
e-mail: ruthard@stachowske.de

 



* DMI steht seit mehr als zwanzig Jahren mit deutschen Institutionen in Kontakt und ist somit im Umgang mit europäischen Standards sicher.